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Laurentius - der Nebenpatron

Einer der meist verehrten Heiligen in der Welt

Hermann von Lerbeck erwähnt Ende des 14. Jahrhunderts in den Bischofschroniken die Reliquien des heiligen Laurentius. Außerdem berichtet er im Zusammenhang mit der Domweihe im Jahre 952, dass der Dom drei Heiligen geweiht sei: Gorgonius, Laurentius und Alexander. Der heilige Petrus wird an dieser Stelle nicht erwähnt. Auch der Domherr Heinrich Tribbe weist um die Mitte des 15. Jahrhunderts auf die wertvolle Reliquienfigur hin, die sich in der Mindener Schatzkammer befindet.

Laurentius - Nebenpatron mit Weltruhm.Der heilige Laurentius ist der Nebenpatron des Domes. Er hat von 230 bis 258 in Rom gelebt und gehört zu den meist verehrten Heiligen in aller Welt. Die berühmte Basilika S. Lorenzo fuori le mura, eine der sieben Hauptkirchen Roms, die um 330 über dem Grab des Märtyrers erbaut wurde, erinnert an ihn. Nach dem Sieg Kaiser Ottos I. über die Ungarn am 10. August 955 auf dem Lechfeld verbreitete sich die Verehrung dieses Heiligen noch stärker. Da der 10. August der Todes- und Gedenktag des heiligen Laurentius war, wurde weithin ihm der Sieg über die Hunnen zugeschrieben. Schon drei Jahre vorher hatten die Mindener ihn bei der Domweihe zum zweiten Patron erhoben.

Nach der Überlieferung war Laurentius Erzdiakon bei Papst Sixtus II. in Rom. Als der Papst Anfang August 258 von dem Christenverfolger Kaiser Valerian enthauptet wurde, begleitete ihn weinend der Diakon Laurentius. „Wo gehst du hin, Vater, ohne deinen Sohn?“ soll er gefragt haben. Der Papst versuchte ihn zu trösten und bat ihn, vor seinem eigenen Martyrium noch alle Kirchenschätze in Sicherheit zu bringen.

Nach der Ermordung des Papstes erhob Valerian Anspruch auf die Reichtümer der Kirche und forderte die Herausgabe aller Kirchenschätze. Laurentius, der sich drei Tage Bedenkzeit erbat, verteilte sie in aller Eile unter den Armen und Notleidenden. Als nach Ablauf der Frist der Kaiser die Reichtümer verlangte, führte Laurentius seine Armen zu ihm und sagte: „Das sind die Schätze der Kirche“. Nach diesen Vorgängen ließ ihn der Kaiser festnehmen und befahl seine Folterung. Er wurde auf einem Rost gebraten, sodass er in der Kunstgeschichte auch immer mit diesem Attribut dargestellt wird.

Die Reliquienfigur des heiligen Laurentius in der Schatzkammer, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Westfalen in Silber getrieben entstanden ist, steht auf einem flachen Sockel. Der Heilige trägt die Gewänder eines Diakons, zu denen das lange Untergewand, die bis auf die Schuhe fallende Albe und die Dalmatik gehören. Unter dem Gewand schauen die Spitzen der Schuhe hervor. An seinem linken Arm trägt er das Manipel, eine Art Handtuch, das bis zum 2. Vatikanischen Konzil zur priesterlichen Kleidung zählte. Auf dem hochstehenden, weitgeschnittenen, vergoldeten Kragen wird in gotischen Minuskeln auf den "großen Märtyrer Laurentius" hingewiesen.

In seiner rechten Hand hält er die Roste, die auf seinen qualvollen Tod hinweist. Ursprünglich hat er in seiner linken Hand das Evangelienbuch getragen. Es gehört zum liturgischen Dienst eines Diakons, die frohe Botschaft zu verkünden. Das Gesicht dieses jungen Mannes ist ohne Bart, aber von lockigem Haar mit Tonsur umgeben. Seine Augen, die traurige Züge tragen, sind in die Ferne gerichtet. Auf der Brust ist ein großer Bergkristall mit vergoldeter Fassung angebracht, hinter dem sich eine Reliquie des Heiligen verbirgt. Der hl. Laurentius steht – wie viele andere Märtyrer – für die Standfestigkeit im Glauben, die ihm durch die Gnade Gottes verliehen wurde. Er ist aber auch ein Vorbild für Hilfsbereitschaft und für die Sorge um die Armen.

Nächstes Objekt des Domschatzes: Löwen als Türzieher

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